Die Vorbereitete Umgebung
Die Vorbereitete Umgebung umfasst für Maria Montessori drei Aspekte:
eine entspannte Lernumgebung, in der sich das Kind wohlfühlen und selbständig lernen kann die Bereitstellung von entwicklungsangemessenen Materialien eine nach bestimmten Kriterien zusammengesetzte Kindergruppe die Lehrpersönlichkeit als Gesprächspartner, Beobachter der Kinder, Former und Pfleger der Vorbereiteten Umgebung.
Wichtige Merkmale der Vorbereiteten Umgebung sind u.a.:
o auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnittenes Mobiliar
ruhige und konzentrierte Arbeitsatmosphäre
anregendes Material (das die „Polarisation der Aufmerksamkeit" fördert)
angemessenes Verhalten der Lehr- und pädagogischen Fachkräfte
unterstützende und kooperative Mitschülerinnen und Mitschüler
Die äußeren Bedingungen dürfen keine Beschränkungen auferlegen, vielmehr sollen sie spontanes Verhalten begünstigen („gleichzeitiges Zusammenbestehen von Ordnung, Disziplin und Spontaneität")
Die Kindergruppe
Die Freie Montessori Schule Main-Kinzig-Kreis arbeitet gemäß den Prinzipien der Montessori Pädagogik mit altersübergreifenden Lerngruppen. In der altersgemischten Gruppe wird an den individuellen Entwicklungsstand eines Kindes angeknüpft und davon ausgehend mit dem Kind gearbeitet.
Die Besonderheit dieser Gruppe ergibt sich daraus, dass jedes Kind innerhalb der drei Jahre verschiedene Rollen durchläuft. Im ersten Jahr hat das Kind eine eher beobachtende Rolle und wird ähnlich einem Lehrling durch die „Großen“ angeleitet. Es ordnet sich ein und entwickelt eine Identität innerhalb der Gruppe. In den folgenden Jahren übernimmt es zunehmend eine verantwortlichere Rolle (Vorbildfunktion), es wechselt von einem passiven Part zu einem aktiven Mitgestalten und Bestimmen der Gruppe. Der Lehrling wird zum Gesellen und schließlich zum Meister seiner Gruppe. Jüngere Kinder erfahren so eine zusätzliche Betreuung und Hilfe durch die älteren. Die fortgeschrittenen Schüler entwickeln soziale Verantwortung und wiederholen und verinnerlichen Lerninhalte durch die Unterstützung der Arbeit der jüngeren. Das führt gleichzeitig zu einem stärkeren Selbstbewusstsein.
Diese Gruppenzusammensetzung ähnelt Geschwisterkonstellationen und ermöglicht besonders intensiv soziales Lernen. Diese Altersmischung schafft Situationen, in denen Kinder soziale Verantwortung erfahren und einüben.
Durch das Lernen in altersgemischten Gruppen ist es möglich und ausdrücklich erwünscht, das unterschiedliche Listungsniveau und individuelles Lerntempo der einzelnen Schüler zu berücksichtigen. Somit integrieren wir leistungsschwache Schüler und leistungsstarke Schüler in der Gruppenstruktur. Durch die stetige Wiederholung der Einführungen in Materialien uns Arbeitstechniken ist es allen Schülern möglich, mehrmals an Darbietungen der Lernbegleiter teilzunehmen und so Inhalte zu wiederholen, die noch nicht vollständig verinnerlicht sind.
Ein weiterer Vorteil der altersübergreifenden Gruppe ist die Reduzierung der Voreingenommenheit gegenüber einer Altersstufe, d.h. der/die Lehrende macht sich weniger ein Bild von dem, was Kinder einer bestimmten Altersgruppe können sollen, sondern sieht jedes Kind individuell.
Auch der Vergleich auf Seiten der Kinder wird durch die altersgemischte Gruppe relativiert. Entwicklungsabweichungen fallen dem Kind selbst nicht so stark auf. Eine Integration ohne Marginalisierung wird möglich.
Die hessischen Schulen „Freie Comenius Schule Darmstadt“, die „Freie Schule Seligenstadt“ und zahlreiche freie Schulen im Rhein-Main-Gebiet arbeiten seit mehreren Jahren sehr erfolgreich mit altersgemischten Lerngruppen. So z.B. auch Montessori Schule Kronberg, Hofheim, Friedberg und Wiesbaden.
Die Lernbegleiter
Voraussetzungen
Eine Position als Lehrkraft kann nur Pädagogen übertragen werden, die entweder staatlich geprüft sind oder deren Bildungsweg als staatlich gleichwertig anerkannt ist und die ein Montessori Diplom besitzen. Ist dieses Diplom noch nicht vorhanden, muss es baldmöglichst erworben werden und die Lehrkraft muss sich verpflichten, die Weiterbildung zum Montessori Pädagogen zu durchlaufen.
Gleiche Anforderungen stellen wir an den Schulleiter, wobei wir bei ihm besonderes Augenmerk auf die Erfahrungen bei Schulneugründungen legen.
Das gesamte Schulpersonal unterliegt der Überwachung durch den schulärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes. Die Geschäftsführung regelt die Personalangelegenheiten zusammen mit dem Schulleiter. Bei Einstellungen und Kündigungen ist dem Elternbeirat und einem Vertreter der Lehrerschaft Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.
Für den Beginn des Schulbetriebes zum Schuljahr 2006/2007 konnten wir bereits die benötigten Pädagogen gewinnen.
Aufgaben
Die Montessori Pädagogik impliziert in der Person der Lehrkraft einen aufmerksamen Beobachter, verständnisvoll und genau. Er muss erkennen:
Wie weit ist das Kind in seiner Entwicklung? Welche Bedürfnisse hat es – offen oder versteckt? Wohin zielen seine Aktivitäten? Welche Angebote oder Hilfen braucht es? Ist es lernverzögert, finden sich Störungen wie etwa Hyperaktivität, Dyslexie, oder ist es schon weit voraus und braucht Förderung seiner Hochbegabung? (Zur Feststellung besonderer Auffälligkeiten werden im Einzelfall fachärztliche Gutachten erstellt.) Zuerst kommt also die Diagnose, folgend einem der Montessori Grundsätze: Folge dem Kind, achte auf die Zeichen, die dir seinen Weg zeigen.
Die Lehrkräfte entscheiden als Lernbegleiter und Lernberater nach der genauen Beobachtung über die Didaktik und Pädagogik und bereiten den Kindern entsprechend die Umgebung vor. Ihre Rolle ist gekennzeichnet durch Respekt vor der Persönlichkeit des Kindes und Vertrauen in seine individuellen Entwicklungskräfte.
Die besondere Rolle der Lehrkraft ist es darüber hinaus, präsent zu sein und Darbietungen des Montessori-Materials zu bieten. Er entwickelt damit den pädagogischen und auch emotionalen Bezug zum Schüler, der in der Montessori-Pädagogik als zentraler Aspekt gesehen wird[2]. Das Montessori-Material, das auf diese Weise präsentiert wird, soll keineswegs eine „Hilfe für den Lehrer sein, um seine Erklärungen der Gesamtheit eine Klasse verständlich zu machen“[3], sondern ist eine Hilfe zur eigenständigen Arbeit der Schüler.
Die Unterstützung der Kinder in ihrem Lerndrang unternehmen die Lehrer nicht etwa, weil das Kind schwach ist, „sondern weil es mit starken, schöpferischen Energien ausgestattet ist“[4].
Auch ist es der Lehrer, der die schon zuvor beschriebene Umgebung vorbereitet. Noch vor Unterrichtsbeginn soll er durch diese Vorbereitung schon einen wichtigen Teil seiner Arbeit erledigen, um dann bei Anwesenheit der Schüler seine ganze Aufmerksamkeit auf Beobachtung ihrer Lernfortschritte oder auch Schwierigkeiten zu lenken.
Neben den besonderen Befähigungen als Montessori Pädagoge erwarten wir von den Lehrkräften ein insgesamt vorbildliches Verhalten in Bezug auf Arbeits- und Sozialverhalten sowie äußeres Erscheinungsbild und gesellschaftliche Aspekte, das die Schüler erfahren sollen und für ihr eigenes Sozialverhalten ableiten können. Die Einzelheiten dazu werden in den Lehrerhandreichungen geregelt.
Materialien und Angebote
Ein Teil der Vorbereiteten Umgebung sind die methodischen und pädagogischen Materialien, sowie die die Entwicklung des Kindes fördernden Angebote:
- Die Entwicklungsmaterialien nach Montessori für verschiedene Fachbereiche
- kulturspezifische Lernmaterialien und –angebote
- Lernmaterialien und –angebote nach dem Bedürfnisstand des Kindes, d.h. aktuelle Themen werden im Material umgesetzt
- Möglichkeiten zur Pflege der Umwelt (Pflanzen und Tiere)
- Anregungsmaterialien für musisches Tun und Erleben
Die von Montessori und ihren Mitarbeitern entwickelten Materialien werden Entwicklungsmaterialien genannt, weil sie in besonderer Weise der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes entgegenkommen. Ziel der Beschäftigung mit den Materialien ist der Eintritt in die Konzentrationsphase, die Förderung von Selbsttätigkeit und Selbstständigkeit des Kindes durch die Übung der Sinne, der Bewegung und des handelnden Umgangs. Die Entwicklungsmaterialien sind als „Schlüssel zur Welt“ gedacht, d.h. sie bilden die Einführung der zu lernenden Fähigkeiten und werden überflüssig sobald das Kind den Lernschritt abstrahiert hat. Sie zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:
· Ästhetik: Anregungspotential, Aufforderungscharakter
· Begrenzung: Systematischer Aufbau des Materials und überschaubarer, sachlicher Gehalt (Isolation der Schwierigkeiten)
· Selbstkontrolle: Unabhängigkeit fördern durch eine „eingebaute“ Fehlerkontrolle
· Aktivitätsmoment: Der Bewegungslust der Kinder entgegenkommen, Begriffe durch „Begreifen“ verstehen, Ermöglichung von „handelndem“ Lernen
Das handelnde Erkunden (dass „handeln“ das Wort Hand beinhaltet, muss hier betont werden) geht dem Denken voraus, weil denken nichts anderes ist als die innere Wiederholung von Handlungen: Wir müssen ja nicht mehr alles im Leben selbst ausprobieren, sondern können aufgrund unserer Fähigkeit zu denken und durch Überlegen, die äußere Welt in unserer Vorstellung nachbilden, Vorgänge vorausdenken und so Entscheidungen über unser Verhalten auf „intelligente“ Art fällen. Wenn diese Handlungen vorher nicht da waren, dann können sie auch nicht im Gehirn wiederholt oder nachvollzogen werden.
In der Vorbereiteten Umgebung sind alle Lernmaterialien für die Kinder der entsprechenden Altersgruppe offen zugänglich. Dabei ist jedes Lernmaterial in der Regel nur einmal vorhanden.
Dies hat pädagogische Gründe:
Erstens werden die Kinder dazu angehalten sorgfältig mit dem Material umzugehen und zweitens wird bei hoher Nachfrage die Kommunikation und die Zusammenarbeit unter den Kindern gefördert. Die Materialien sollen immer vollständig sein und nach Benutzung von den Kindern immer wieder an ihren Platz geräumt werden. Die Materialien sind nach Fachgebieten geordnet.
Kosmische Erziehung
Kosmische Erziehung ist ein von Maria Montessori geprägter Begriff, der für ein pädagogisches Prinzip steht, welches das Kind in die Lage versetzen soll, schrittweise Verantwortung für sich und seine Umwelt zu übernehmen. Der Schwerpunkt in der zweiten Entwicklungsstufe liegt bei der „Ganzheitsorientiertheit“. Um bei den Kindern ein harmonisches, d.h. ganzheitliches Weltbild aufzubauen, werden ihnen nicht Einzelheiten, sondern Zusammenhänge vermittelt.
Ziele der Kosmischen Erziehung sind:
· dem Kind das Erkennen, Wissen, Verstehen und Deuten der natürlichen und sozialen Umwelt zu ermöglichen
· Gefühle und Motivation für seine Mitwelt und Umwelt zu wecken
· Neugier, Staunen, Bewunderung über Schöpfung und kulturelle Leistungen zu erzeugen
· die Erkenntnis schaffen, dass alle voneinander abhängen und gleichberechtigt sind
· das Gefühl der Liebe zu vermitteln, das alle anderen Gefühle umfasst und von Montessori als „größte Energie im Kosmos“ angesehen wird
· Anleitung zur schrittweisen Übernahme von Maßstäben für die Bewertung eigener und fremder Handlungen sowie von Vorgängen in Natur und Gesellschaft (Gewissensbildung)
· zum Handeln anleiten und ermutigen
Die Kosmische Erziehung umfasst die gesamte Pädagogik und strebt das Ziel einer universellen Harmonie in der Welt durch bewusstes Handeln und freien Willen an (Montessoris „Erziehung zum Frieden“).
Das Prinzip der Kosmischen Erziehung bildet die Grundlage für die Vermittlung der Lerninhalte in der Freien Montessori Schule Main-Kinzig-Kreis. Den Schülern wird vor der Vermittlung von Detailwissen ein panoramaartiger Überblick über ein Thema gegeben, der oftmals auch geschichtliche Aspekte enthält, z.B. die Entstehungsgeschichte des Lebens auf der Erde als Einstieg in die Biologie. Die Lerninhalte werden möglichst fachübergreifend erarbeitet, z.B. in Form von Projektarbeiten. In jeder Woche werden Darbietungen aus allen Fachbereichen angeboten, ohne den Schülern dabei eine zeitliche Begrenzung oder Festlegung durch einen 3/4-Stunden-Rhythmus aufzuerlegen. Ausnahmen bilden die fachspezifischen Arbeitsgruppen, für die zu bestimmten Zeiten Fachkräfte in die Schule kommen.
Lernformen
Erst persönliches Erfahren macht es möglich, dass aus Lernen Wissen wird und lebenslang abrufbar bleibt. Aus einer Erfahrung entwickelt der Schüler das Verständnis und wiederum aus dem Verständnis die Erkenntnis. Dabei können diese Lernerfahrungen inhaltlich, ganzheitlich, beiläufig oder situationsbedingt sein.
Die im Folgenden beschriebenen Lernformen sind keine voneinander isolierten Aktivitäten, sondern sie sind miteinander verknüpft, können auseinander hervorgehen und sich durchdringen.
Fachübergreifendes freies Arbeiten
Mit freiem Arbeiten meinen wir die selbständige Beschäftigung mit unstrukturierten und strukturierten Materialien sowie die Nutzung von Angeboten.
Für Montessori ist die Freie Wahl der Arbeit eine grundlegende Lernform[5], die den unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen durch weitgehende Individualisierung entspricht.
Diese Lernform dient insbesondere der Aneignung spezieller Kenntnisse und kognitiver Fähigkeiten. Sie ermöglicht jedem Kind, diese zur richtigen Zeit (d.h. wenn es das Bedürfnis hat, sich mit dem entsprechenden Sachverhalt zu beschäftigen) und in seinem eigenen Tempo zu lernen.
Materialien, die z.B. von Maria Montessori entwickelt wurden, geben den Kindern die Möglichkeit, sich individuell und selbstbestimmt mit dem auseinander zu setzen, was das Material es lehren kann[6]. Die Kinder können sich spezielle Themen mit Hilfe des didaktischen Materials und der zugehörigen Selbstkontrollmethoden erschließen. Die Lernbegleiter führen in die Handhabung des jeweiligen Materials ein und geben im weiteren Verlauf der Arbeit Unterstützung, wenn das Kind es wünscht.
Dieser Weg des Lernens fordert das Kind heraus, seine Interessen wahrzunehmen, um sich das Material wählen zu können, mit dem es gerade arbeiten will. Es fördert die Entscheidungsfähigkeit und Selbstvertrauen.
In der freien Arbeit finden beispielsweise auch die vielen strukturierten Lernmaterialien ihre Verwendung. Als wesentlicher Aspekt dieser didaktischen Materialien sei an dieser Stelle nochmals die Möglichkeit der Selbstkontrolle betont, die Kinder unabhängig und damit „frei“ vom Erwachsenen macht.
Wie aber ist nun die Freiheit beim Arbeiten tatsächlich zu verstehen? Der Begriff „frei“ bedeutet, dass sich ein Kind frei entscheiden kann, was, wann, wie, womit, wie lange und mit wem es tun möchte und zwar ohne dabei von außen bewertet zu werden. Lang anhaltendes und effektives Lernen funktioniert nur dann wirklich, wenn das Kind in Bezug auf seine Lerntätigkeiten selbstbestimmt handeln und dabei seiner inneren Motivation folgen kann.
Die Kinder haben die Möglichkeit, eine Aktivität oder Materialarbeit gemäß ihres Könnens und Entwicklungsstandes zu wählen. Die Lehrkraft zeigt den Kindern in Form von kurzen Darbietungen die Arbeit mit einem bestimmten Material. Die Darbietungen richten sich in der Regel an Kleingruppen von 2 bis 5 Kindern. Während also einige Kinder eine Darbietung erhalten, arbeiten die anderen ruhig und selbstständig an ihrer Aufgabe. Je nach Bedarf und Interesse der Kinder besteht die Möglichkeit, Projekte und Ergebnisse im Gesprächskreis vorzustellen.
Ziel ist es, dass die Kinder die Notwendigkeit von Zeiteinteilung kennen lernen, sich im verantwortungsvollen Umgang miteinander üben, versuchen Entscheidungen zu treffen und erkennen, dass z.B. vorher erworbene Kenntnisse bei der Durchführung einer neuen Arbeit hilfreich sind. Das Vorstellen der Ergebnisse weckt das Interesse bei den Mitschülern und bietet dem Kind die Möglichkeit, Inhalte zu wiederholen und damit zu festigen und sich rhetorisch zu üben.
Projekte und Exkursionen
Projekte entsprechen dem Grundprinzip unserer Schule in mehrfacher Weise: Die Kinder bearbeiten ein Thema, ihr Thema, das aus persönlichem Interesse heraus entstanden ist. Projekte sind eine Form des Lernens, bei der ein Thema komplex, d.h. von allen Seiten her, bearbeitet wird. Im Sinne Freinets können sie dabei bereits eigene Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten einbringen. Es geht hier im Besonderen um das Forschen, tastende Versuchen, Experimentieren.
Zu einem Projekt gehören die Vorbereitung, die Realisierung sowie die Auswertung. Die "Forschungsergebnisse" werden von jedem einzelnen Kind bzw. der jeweiligen Arbeitsgruppe schriftlich festgehalten und in unterschiedlichen Formen dokumentiert, z.B. über eine Wandzeitung, eine Ausstellung, einen Vortrag, die Erstellung einer schriftlichen Arbeit.
Dabei bieten sich zahlreiche Möglichkeiten des sozialen Lernens: Entscheidungen treffen, diskutieren, Tätigkeiten aufeinander abstimmen, Lösungen suchen und erproben, Erfahrungen im gemeinsamen Tun sammeln. Ein Projekt kann Kinder verschiedenen Alters mit unterschiedlichen Interessen, Fähigkeiten und Neigungen sozial verbinden. In der Gruppe werden so individuelle Stärken für die Kinder erkennbar und damit das Selbstbewusstsein gefördert.
Zu den Projekten gehören für uns auch die außerschulischen Lernorte. Im Zusammenhang mit projektorientiertem Lernen, aber nicht ausschließlich mit diesem, suchen die Kinder unserer Schule außerschulische Lernorte auf. Auch hierin wird der reformpädagogische Ansatz von Maria Montessori verwirklicht.
Außerschulische Lernorte sind bedeutsam für den Lernprozess, der sich so realitäts- und lebensnah gestalten kann. Das große Defizit von Schule ist, dass sie das ganzheitliche Lernen mit Kopf, Hand und Herz nicht ermöglicht. Erst wenn Kinder das Schulhaus verlassen und z.B. Produktionsstätten aufsuchen, wie Handwerksbetriebe und Fabriken und mit den Experten ins Gespräch kommen, vollzieht sich ihr Lernen anschaulich, konkret, ganzheitlich und auch motivierter. Nicht zuletzt werden diese Kinder vielleicht einmal "Lernen" nicht nur auf das schulische Lernen reduzieren.
Die Schüler sollen die Möglichkeit haben, in Kleingruppen von 3 – 4 Kindern selbst organisierte Ausflüge zu unternehmen. Diese beziehen sich in der Regel auf ihre jeweiligen Projektarbeiten und dienen dem Finden von Informationen. Sie lernen so die Gesellschaft kennen und sich in dieser zurechtzufinden (Stadtplan benutzen, sich im Straßenverkehr bewegen, Umgangsregeln…). Das Hinausgehen ermöglicht Selbständigkeit, Selbstkontrolle und das Einüben von Verantwortung.
In der Praxis werden solche Kinder hinausgehen dürfen, die schon ein bestimmtes Maß an Verantwortung zeigen. Ihr Ausflug sollte einem bestimmten Ziel dienen, z.B. an einer Veranstaltung teilzunehmen, Arbeitsplätze kennen zu lernen oder bestimmte Informationen zu sammeln. Sie sollten einen respektvollen Umgang untereinander und anderen gegenüber zeigen. Die Kinder müssen die Situation verstehen und die Regeln akzeptieren können.
Sie werden von einer Aufsichtsperson („Chaperon“) begleitet, die nicht die Aufgabe hat, die Aktivität anzuleiten, sondern nur dazu da ist, Gefahren abzuwenden. Das heißt, die Organisation und Durchführung (z.B. Wahl eines geeigneten Verkehrsmittels, Finden des Ausflugszieles, Einhalten der Zeit usw.) liegt allein bei den Kindern. Die Begleitperson (Eltern, Erzieher, Praktikanten) wird von der Lehrkraft entsprechend eingewiesen. Nach dem Ausflug wird dieser von Kindern und Lehrkraft reflektiert.
Einmal wöchentlich wird zudem ein fester Exkursionstag in den Stundenplan aufgenommen. Vor allem für die Schulanfänger wird dieser Tag auch häufig ein Waldtag sein, um gerade den kleineren Kindern auch ökologische und sachkundliche Zusammenhänge nahe zu bringen.
Nur mit dem Bewusstsein, dass die Natur den Schutz der Menschen braucht, kann ökologisches Bewusstsein entwickelt werden. Bewusstsein für den Schutz der Natur zu entwickeln, setzt konkrete Naturerfahrungen, Naturerlebnisse voraus. Ein Klassenzimmer, sei es noch so gut mit Materialien ausgestattet, kann dies nicht ersetzen. Die Erfahrungswelt der Kinder droht zu verarmen, und damit auch die Entwicklung der Sinne, die nicht zuletzt einen wichtigen Aspekt für die seelische Gesundheit darstellen. Über die Freude am Tätigsein möchten wir ökologisches Bewusstsein fördern.
Neben den Exkursionen in die Natur werden Besuche in Produktionsstätten, in Museen, Tierparks und zu bestimmten Veranstaltungen durchgeführt.
Gruppenunterricht / Kurse
Für das Erlangen von Grundwissen und auch Überblickwissen in den Fächern Englisch, Musik und Religion (ab der Jahrgangsstufe 5 auch die 2. Fremdsprache) ist die Vertiefung in Kursen sinnvoll, besonders für die Schulanfänger. In den älteren Jahrgangsstufen können diese Kurse zunehmend in die Arbeitszeit integriert werden, da die Kinder bis dahin genügend Grundwissen gesammelt haben, um sich eigenständig neue Themengebiete zu erarbeiten. Hierfür sind im Stundenplan feste Kernzeiten vorgesehen.
Darüber hinaus beinhaltet der Kursunterricht das Erlernen des verantwortungsvollen Umganges mit unserem handwerklichen Gerät, das Erlernen eines Instrumentes in der Bläser- oder Streicherklasse oder z.B. Töpfern. Zu den verpflichtenden Kursangeboten zählen der wöchentliche Schulsport sowie die Bewegungsphase.
Die Kurse können außer von Lehrkräften auch von Lehrbeauftragten angeboten werden (z.B. Schwimmlehrer, Musiker etc.)
Präsentationen
Im Zeitalter der Medien entwickelt sich die Gesprächskultur zurück. Auch in dem traditionellen Frontalunterricht haben Schüler wenig Gelegenheit, ihre Kommunikationsfähigkeit zu entwickeln. Gesprächskreise und Schulversammlungen sollen der Entwicklung von Fähigkeiten der Gesprächskultur dienen. Sie haben mehrere Funktionen, wie z.B. das Berichten und/oder Erzählen von Erlebnissen, das Diskutieren und Lösen von Konflikten, das Besprechen der Tages- und Wochengestaltung, das Aufstellen von Regeln des Zusammenlebens und das Einüben demokratischer Verhaltensweisen. Im Kreis bietet sich, wie die Form symbolisiert, jedem Kind die Möglichkeit, gleichberechtigt vor der Gruppe Gedanken vorzutragen, sich selbst darzustellen, Initiative vor einer Gruppe zu ergreifen. Es ist ein Ort sozialer Erfahrungen.
Präsentationen von Arbeiten einer jeweiligen Gruppe sind ebenfalls geeignete, pädagogische und organisatorische Maßnahmen, in denen die Schüler die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung entwickeln können.
Dokumentation der Lernfortschritte und Entwicklungsberichte
In der Montessori Pädagogik hat die individuelle Entwicklung des Arbeits- und Leistungsverhaltens der Schüler Vorrang vor dem Vergleich in der Gruppe oder Klasse. Darum werden für jedes Kind aufgrund kontinuierlicher Beobachtungen und der Dokumentation des Arbeitsprozesses, seiner Fortschritte oder auch Störungen ein Entwicklungsprofil erstellt und eine Dokumentation der Lernfortschritte geführt.
Lernen und Leisten sind auch von den Beurteilungsformen abhängig. Es ist auf vielfache Erfahrungen in Montessorischulen gestützt und es ist eine Erkenntnis der Lernpsychologie, dass Kinder und Jugendliche gewillt sind, viel zu leisten, wenn sie (in einem vorgegebenen Rahmen) ihren Interessen und Bedürfnissen nachgehen können. Sie sind zu Leistungen motiviert, wenn sie Zusammenhänge erkennen können und ihnen nicht nur Einzelstücke vorgeführt werden, die sie dann abrufbereit halten müssen[7].
Entsprechend dieser Konzeption verzichten wir auf Klassenarbeiten, bewertende und vergleichende Tests und Ziffernzeugnisse. Selbsttests zur Reflexion der eigenen Leistungen, für die Klassen 5 und 6 auch im Vergleich mit den in den staatlichen Schulen geforderten Lernzielen, werden angeboten.
Die Lehrkräfte dokumentieren regelmäßig die Lernschritte in den jeweiligen Arbeitsbereichen, sowie die persönliche und soziale Entwicklung der Kinder. Basis der Dokumentationen sind regelmäßige Zeiten der Beobachtung der Klasse. Dabei geht es darum, Einsicht in die differenzierten Handlungen der Kinder zu erhalten und neue Ideen bzw. auch Korrekturen bei der Bereitstellung der Lernangebote und im täglichen Zusammensein mit den Kindern zu entwickeln.
Die Lehrer verfassen auf Basis ihrer Beobachtungen halbjährlich ausführliche schriftliche Kommentare zur Entwicklung der Kinder. Darin wird das jeweilige Schulhalbjahr reflektiert und die Kinder erfahren eine ganz individuelle Ansprache, die auch Hilfestellung zur Selbstreflexion sein kann. In ihnen werden ihre Lernschritte, ihre persönliche Entwicklung und ihr Leben in der Gruppe beschrieben werden. Danach findet planmäßig mindestens einmal im Halbjahr ein Elterngespräch statt. Die Eltern können sich zudem zu angebotenen Sprechzeiten der Lehrer auch zwischendurch informieren, welche Lern- und Entwicklungsfortschritte ihr Kind macht.
In individuellen Lehrer-Schüler-Konferenzen spricht der Lernbegleiter mit den Kindern ab, welche Lernziele erreicht wurden bzw. in Zukunft von den Kindern angestrebt werden. Die Schüler werden in ihren persönlichen Fortschritten reflektiert und erhalten Anregungen und Hilfestellungen für ihre weiteren Arbeiten. Von diesen Konferenzen werden Protokolle angefertigt, die vom Lehrer und Schüler jederzeit eingesehen werden können. Den Kindern ermöglicht die Unterrichtsdokumentation eine Orientierung und Anknüpfungspunkte für den nächsten Lernabschnitt und sie gewinnen zunehmend einen Überblick auf die eigenen größeren Lernzeiträume und werden in ihrer Selbstwahrnehmung bestärkt.
Für die Kinder bleibt durch diese Art der Rückmeldung die Freude am Lernen erhalten. Es entstehen weniger Aggressionen gegenüber Schule, Lernstoff, Lehrperson und Mitschülern. Das Selbstwertgefühl wird entscheidend gestärkt.
Nach Montessori ist das Fehlermachen und auch Kontrollieren können eine große psychische Freiheit. Dagegen führen Zensuren und Bewertungen durch andere zu einer Verminderung der Energie und des Interesses. So lehnt sie auch Konkurrenz oder Wettbewerb ab, da in dieser früh gelernten Rivalität ein lebenslanges Potential zum Unfrieden stecke[9].
Da unsere halbjährlichen Entwicklungsberichte den Inhalten des Rahmenplans hessischer Grundschule und der Förderstufe angepasst sind, können sie bei Bedarf, in der Regel bei einem geplanten Schulwechsel ausnahmsweise in Ziffernzeugnisse umgewandelt werden, wenn dies von der neuen Schule gefordert wird.
Der Verzicht auf Ziffernzeugnisse geht einher mit dem Verzicht auf das „Sitzen bleiben“. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen nach, dass insbesondere „leitungsschwache“ Schüler durch Erteilung von Zensuren und durch Sitzen bleiben in ihrer Entwicklung behindert, statt gefördert werden[10].
Prinzipiell sind an unserer Schule keine Hausaufgaben vorgesehen. Die erweiterte Unterrichtszeit bietet genügend Raum, alle Wiederholungs- und Vertiefungsübungen in den Unterricht zu integrieren. Aufgaben, die eine Ausführung außerhalb der Schule erfordern, werden individuell mit den Schülern bzw. auch mit den Eltern abgesprochen.
[2] Mario Montessori, Erziehung zum Menschen, S. 86
[3] Maria Montessori, Schule des Kindes, S. 86
[4] Maria Montessori, Das kreative Kind, S. 25
[5] Dazu Klein-Landeck, Michael, Freie Arbeit bei Maria Montessori und Peter Petersen, Reihe: Impulse der Reformpädagogik, Münster 1998, S. 3ff. und 64ff.
[6] Vgl. Rebecca Wild, Erziehung zum Sein, Heidelberg 1993
[7] Prof. Dr. Hans Dietrich Raapke, Profil der Montessori-Pädagogik und ihrer Einrichtungen, Stand 2003
[9] Vgl. Harald Ludwig/Christian Fischer / Reinhard Fischer (Hg), Leistungserziehung und Montessori-Pädagogik, Reihe: Impulse der Reformpädagogik Bd. 5, Münster 2000
[10] Vgl. Hart Speichert, Schulangst – Das Eltern-Schüler-Trauma, Reinbek 1977